Chien 41 Laurent Gaudé 2022

Die literarische Rubrik: Tipps und Kritiken der französischen Werke und Autoren

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Chien 41 Laurent Gaudé 2022

Beitragvon Emilien » Do, 22. Sep 2022 12:15

In diesem als Dystopie konzipierten Kriminalroman beschreibt der Autor eine diktatorisch geprägte und von international agierenden Großkonzernen gepräg-te Zukunftsgesellschaft, die den Lebensraum der Menschen in 3 extrem sozial differenzierte Zonen aufteilt, zwischen denen kein freier Zugang mehr existiert. Der Großkonzern Goldtex übernimmt nach der Verschuldung Griechenlands das gesamte Land, dessen Bewohner nach einem brutal niedergeschlagenen Aufstand im Dienste des Konzerns und der privilegierten Bewohner der beiden anderen Zonen eine sklavenhaftes Dasein in einer sozial und ökologisch maroden Welt fristen. Nur wenige Griechen wie der ehemalige politische Rebell Zem Sparak dürfen die dritte Zone im Dienst der Privilegierten verlassen. Zem Sparak hat aber Schuldgefühle bezüglich seines Verrats an Gesinnungsgenossen, den er auch wegen einer Erpressung bzgl. seiner Freundin begangen hat.Er flüchtet immer wieder durch Einnahme einer virtuellen Droge in eine untergegangeneTraumwelt Athens. Als er mit der Aufklärung mysteriöser Mordfälle beauftragt wird, gerät er zwischen die Fronten von zynisch handelnden politischen Rivalen, die nur scheinbar Reformen versprechen. Das Leben der Menschen wird auch durch die Möglichkeit der Erlangung der Unsterblichkeit in der ersten Zone bestimmt. Der einmal jährlich in Zone 2 stattfindende Love Day ist ein moralisch höchst fragwürdiger Konsum von Sexualität, der Freiheit und Glück nur vorgaukelt.Die Mordfälle in Zone 3 sind das Ergebnis von Machtintrigen und des ver-geblichen Strebens der Bewohner von Zone 3 nach den Privilegien der anderen Zonen. Die scheinbar erfolgreichen Ermittlungen von Zem Sparak und seiner Helferin Salia aus Zone 2 enden für beide mit einer Katastrophe und Resignation angesichts brutaler Methoden der Unterdrückung und Manipulation durch die wahren Machthaber.
Insgesamt kann man diesen Roman als Warnung vor einem exzessiven Wirtschaftsliberalismus bzw. der politischen Macht von internationalen Großkonzernen verstehen, die nur Privilegierten ein Leben in Luxus und in einer ökologisch sauberen Welt ermöglichen könnten und die Freiheit der meisten Menschen extrem beschränken. Die Kriminalhandlung ist jedoch reichlich verworren und nur mäßig spannend. Der Stil des Autors lässt auch zu wünschen übrig. Etliche Weit-schweifigkeiten bzw. Längen verstärken diesen Eindruck noch. Meiner Meinung nach ist dieser Roman nur sehr bedingt empfehlenswert, auch weil die ange-sprochenen Ideen nicht besonders originell erscheinen.
Emilien
 
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