Crois ou meurs Claude Quétel

Die literarische Rubrik: Tipps und Kritiken der französischen Werke und Autoren

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Crois ou meurs Claude Quétel

Beitragvon Emilien » Sa, 01. Jan 2022 13:21

In dieser 2019 veröffentlichen Analyse der Französischen Revolution bietet der Historiker Claude Quétel eine gut dokumentierte, anschauliche und oft sehr differenzierte Darstellung der Französischen Revolution. Der Titel, der sich auf einen Slogan aus den Anfängen der Revolution bezieht, signalisiert schon den vom Autor gewählten Schwerpunkt. Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, zahlreiche Verletzungen von Menschenrechten und Gewalt schon in der Anfangsphase der Revolution werden vom Autor zu Recht hervorgehoben und an zahlreichen Beispielen erläutert. Die Widersprüchlichkeit dieser Epoche mit ihrem aufklärerischen Parolen (Freiheit, Gleichheit, Volkssouveränität, Menschenrechte),die zu oft nicht einer humanen Realität entsprechen, wird deutlich herausgearbeitet. Dabei werden wesentliche Ursachen der Französischen Revolution erfasst, aber im Sinne des Buchtitels will der Autor die aus seiner Sicht wahre Geschichte der Revolution darstellen und setzt andere Schwerpunkte als die klassische Geschichtsschreibung (Ausnahme: Taine) der Vergangenheit. Auch die Aufklärung wird schon ihren Anfängen kritisch beleuchtet. Positiv zu bewerten sind die zusammenfassende Auf-listung, Darstellung und Bewertung der bisherigen Historiographie zur Französischen Revolution und das Literatur- und Quellenverzeichnis, auch wenn die von Quétel gewählten chronologischen und thematischen Ordnungsprinzipien dem nach Namen von Autoren suchenden Leser den Überblick erschweren könnten. Fakten und Werturteile werden meist sehr klar historisch eingeordnet, obwohl eine Zuordnung zu bestimmten schriftlichen Quellen auf den entsprechenden Seiten oder im Anhang leider fehlt. Die Aufklärung wird in ihren Grundsätzen gut erfasst, könnte aber noch etwas ausführlicher dargestellt werden. Trotz der kleinen Schwächen dieser Darstellung der Französischen Revolution ist das Buch sehr lesenswert, weil es die Widersprüche und Menschen-rechtsverletzungen während der Französischen Revolution sehr gut erfasst und die fragwürdige politische Instrumentalisierung der z. T. nur scheinbar positiven Ideen der auch in Frankreich kontrovers diskutierten Französischen Revolution anspricht. Beeindruckend sind auch die oft erkennbaren Parallelen zu heutigen psychologischen und politischen Realitäten.
Emilien
 
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