Westlothringen

Die touristische Rubrik: Eure liebsten Städte und Landschaften in Frankreich

Moderator: Moderatoren

Re: Westlothringen

Beitragvon jollylolly » Fr, 04. Okt 2019 18:45

Leider war dann doch die Mittagszeit herangeeilt und die Dorfkirche war verschlossen, also ging es für uns ein kurzes Stück weiter in den Wald von Bois-Chenu wo Jeanne Ihre ersten Visionen hatte, heutzutage steht vor dem Wald aber eine Kapelle zu Ehren des heiligen Michael die heute "Crypte Notre Dame des Armées" genannt wird und seit 1891 an Ihrem Platz steht, 1899 kam noch der Glockenturm dazu und man baute weiter bis man im Jahre 1926 die "eglise nationale Sainte Jeanne d'Arc" segnen konnte. Im Jahre 1939 wurde diese Kirche in den Rang einer Basilika erhoben.

Bild Das Bild ist bewusst schräge, da der Parkplatz nicht weit genug weg war...

Im inneren wird auf 6 riesigen Wandbildern die Geschichte auch den nicht so gut lesenden näher gebracht:
Bild die Visionen
Bild Jeanne bei Charles VII.
Bild Jeanne nach der Prüfung auf dem Weg in die Schlacht!
Bild Schlacht von Orleans
Bild die Krönung von Charles VII.
Bild Jeanne auf dem Scheiterhaufen

Bild unterm Dach
Bild Blick unter eine Kanzel
Bild Blick unter die Andere
Bild die linke Kanzel
Bild eine Kapelle
Bild ein Seitenpfeiler
Bild und noch einer

Welch prächtige Basilika zu Johannas Ehren, alle Bilder würden wohl den Rahmen sprengen. Bald kommt Vaucouleurs, aber erst noch ein Blick in die Vogesen, ob keine Burgunder kommen:
Bild
Jeanne, mon Héroïne
Benutzeravatar
jollylolly
 
Beiträge: 1714
Registriert: Fr, 06. Aug 2010 20:47
Wohnort: Am liebsten am Meer im Finistère oder in der Normandie. Meistens aber am Teutoburger Wald

Re: Westlothringen

Beitragvon Souris » Sa, 05. Okt 2019 15:20

Beeindruckende Bilder, danke! Immer wenn wir auf der Autobahn dran vorbei fahren, denke ich, Domremy usw. müssten wir uns auch mal angucken... Aber für ein verlängertes Wochenende zieht es uns dann doch immer mehr ins Elsass und um nur mal eben einzukaufen fahren wir nur kurz bis nach St. Avold... :oops: :oops:
Et croire à la magie du blé en épis
Au Petit Prince aussi... (Pascal Obispo)
Benutzeravatar
Souris
 
Beiträge: 8130
Registriert: Mi, 11. Jun 2008 16:44

Re: Westlothringen

Beitragvon jollylolly » So, 06. Okt 2019 10:48

Da habt Ihr dann jetzt ja mal vielleicht eine Alternative zum Elsass :wink:

Von Domremy ging es für uns weiter zum nächsten Geschichtsträchtigen Ort, nämlich nach Vaucouleurs, ca. 20km von Domremy entfernt, von wo Jeannes Reise zu Ruhm und Ehre so gesehen ja erst richtig losging.
diese Statue, die uns begrüßt, begann ihre Karriere jedoch zunächst in Algier und kam erst 1966 nach Vaucouleurs:
Bild

Da wir in Domremy das Kombiticket erstanden haben, gehen wir zunächst linker Hand vom Rathaus ins Office de Tourisme um unsere Tickets fürs Musee Jeanne d'Arc zu holen, so wie man es uns in Domremy gesagt hatte, die Dame kommt ein wenig zu spät, gut wer erwartet hier Ende September noch Touris, aber nachdem wir unsere Anliegen vorgebracht haben, Stempelt Sie unsere Eintrittskarten aus Domremy und geht mit uns dann an der Jeanne d'Arc Statue auf dem Rathausplatz in den rechten Rathausflügel. Über diesen Eingang gelangen wir in das kleine Jeanne d'Arc Museum, zu sehen gibt es hier Statuen in kleinen Maßstäben, dazu Filmplakate verschiedener Jeanne d'Arc Verfilmungen und Entwürfe für diverse Kirchenfenster.
BildBildBild
Darüber hinaus gibt es auch noch ein paar Porzellanteller und Zinnfiguren zu sehen, insgesamt hat das Museum 4 Räume, ist also nicht allzu groß, dementsprechend schnell waren wir hier durch und konnten uns zur nächsten wichtigen Stätte in Jeannes Leben begeben, auf den Berg in Vaucouleurs, wo früher eine Burg stand die größer als ganz Carcassonne gewesen sein soll. Übrig sind heute leider nur noch die Grundmauern, die Kirche in deren Krypta Jeanne und Ingrid Bergmann beteten, uns blieb es leider verwehrt, da die Kirche bei unserem Besuch geschlossen war, die Linde die im Februar Blätter trug um Jeannes Pferd zu nähren und die Porte de France, aus der Jeanne auszog um Orleans zu erobern und Frankreich zu einen.
Bild
Bild
BildBild

Alles in allem hatten wir uns von diesem Ausflug ja ein wenig mehr erhofft, so sind wir froh beide Stätten, die Basilika in Bois-Chenu war ja überraschen hinzugekommen, für einen Tag geplant zu haben, weil jeweils 1 Tag für jede Stätte wäre dann doch wohl ein wenig viel Zeit gewesen, auch von der Anfahrt her. Der Heimweg dauert dann doch mal wieder länger als erwartet, wieder eine Brücke, doch diesmal macht die paramilitärische Gendarmerie Großkontrolle, wir kommen aber mal wieder so durch.
Jeanne, mon Héroïne
Benutzeravatar
jollylolly
 
Beiträge: 1714
Registriert: Fr, 06. Aug 2010 20:47
Wohnort: Am liebsten am Meer im Finistère oder in der Normandie. Meistens aber am Teutoburger Wald

Re: Westlothringen

Beitragvon jollylolly » So, 06. Okt 2019 11:32

Am nächsten Tag lädt das Wetter leider nicht zum draußen sein ein, da aber Dienstag ist, können wir uns auch nicht wirklich die Zeit in Museen vertreiben, also fahren wir ein wenig durch die Gegend und landen in Lunéville in einen alten Industriegebiet, das langsam durch Handel und Wohnen die einstige Herstellung von LKW Anhängern und Aufliegern überdeckt. Kaum zu glauben, das der einst 2. größte Hersteller von Anhängern und Aufliegern in Europa Anfang der 2000er unterging, aber so ist das in der Wirtschaft leider wohl.
Das Schloß von Lunéville lässt heute nur den Besuch des Parks zu, aber bei dem Wetter haben wir dazu kein Lust, fahren weiter und entdecken St. Nicolas de Port, bzw. die örtliche Basilika die sich über die Dächer erhebt.
Bild
Das 32Meter hohe Kirchenschiff wird von den 28Meter hohen und damit höchsten Säulen in Frankreich gestützt, zum Teil sind diese auch recht verspielt.
Bild

Die Basilika entstand hier, da mit einem Schiff aus dem Mittelmeer ein Glied der Segnungshand von Nikolaus von Myra den Weg hier her fand, vorher hieß der Ort auch einfach nur Port, danach lange Zeit nur St. Nicolas bis beide Namen im Jahre 1961 zusammengeführt wurden.
Gegen Zahlung eines Euros darf auch einen Blick in den Reliquienraum werfen, sehr Interessant der Einblick, aber ein Foto habe ich davon nicht für euch. Dafür aber vom Altar.
Bild
und weiteren prächtigen Kirchenfenstern:
Bild
Bild
Bild
Und noch eine Kapelle, wobei ich mir nicht notiert habe wem diese gewidmet ist:
Bild
Obwohl Jahrhunderte viele, viele Pilger, auch Jeanne war hier um nochmals zu beten, bevor es dann nach Orleans ging, kamen und den Ort reich machten, fehlte in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts das Geld um die Basilika zu renovieren. Da kam eine reiche Amerikanerin Camille Croué-Friedamnn die Ihr Vermögen nach Ihrem Tod der Basilika vermachte und so war es möglich die Pracht wieder herzustellen.
Darüber hinaus gibt es im Ort noch ein Brauerei und ein Kinomuseum, aber da Dienstag, sind beide nicht geöffnet.
Jeanne, mon Héroïne
Benutzeravatar
jollylolly
 
Beiträge: 1714
Registriert: Fr, 06. Aug 2010 20:47
Wohnort: Am liebsten am Meer im Finistère oder in der Normandie. Meistens aber am Teutoburger Wald

Re: Westlothringen

Beitragvon Souris » Mo, 07. Okt 2019 09:24

Sehr interessant, vielen Dank für diese Impressionen! :merci:
Et croire à la magie du blé en épis
Au Petit Prince aussi... (Pascal Obispo)
Benutzeravatar
Souris
 
Beiträge: 8130
Registriert: Mi, 11. Jun 2008 16:44

Re: Westlothringen

Beitragvon jollylolly » Di, 08. Okt 2019 18:35

Das teile ich doch gerne mit euch, wobei ich noch überlege wie ich euch Nancy nahebringen kann. Es heißt ja:

„Selbst im Sonnenschein ist Nancy keine fröhliche Stadt, zumindest in ihren Augen. Bei Regen verliert die Stadt sich in Grautönen und wird schräg und verschwommen, fast schon wieder interessant, so deprimierend ist es. Eine Stadt im Osten von Frankreich. Der Himmel hängt tief, die Häuser sind zweistöckig, ab und zu architektonisch gelungen, doch selbst ein Blinder sieht, dass darin bestimmt keine reichen Ärzte wohnen“
– Virginie Despentes: Bye bye Blondie (2004)


Na und so ähnlich war es auch, OK, wir hatten einen Regentag erwischt, wobei wenn wieder das Rendez-Vous am Place Stanislaus im kommenden Sommer stattfindet, kann man es dort sicherlich aushalten. So haben wir uns ins Musee des Beaux-Arts vor dem Regen gerettet, Werke von Prouvé dazu Monet, Manet war gerade zu einer Ausstellung in Amerika aber auch Caravagio gibt es dort zu entdecken sowie im Untergeschoß einen Teil der alten Stadtbefestigung umrahmt von Glaskunst aus dem Hause Daum, das war sehr interessant und hier haben wir mit unserem "Visum" quasi auch am meisten gespart statt 9,-€ pro Nase waren wir zu zweit dann für 9,-€ dabei.

Aber doch noch ein paar Impressionen für euch:

Der Arc Here:
Bild

Eines der Tore des Platzes:
Bild

Sogar goldene Hähne an Laternen hat es hier:
Bild

Und die Altstadt nach dem Mittagessen:
Bild
Jeanne, mon Héroïne
Benutzeravatar
jollylolly
 
Beiträge: 1714
Registriert: Fr, 06. Aug 2010 20:47
Wohnort: Am liebsten am Meer im Finistère oder in der Normandie. Meistens aber am Teutoburger Wald

Re: Westlothringen

Beitragvon Avonlea » Di, 08. Okt 2019 19:22

jollylolly hat geschrieben:Das teile ich doch gerne mit euch, wobei ich noch überlege wie ich euch Nancy nahebringen kann. Es heißt ja:

„Selbst im Sonnenschein ist Nancy keine fröhliche Stadt, zumindest in ihren Augen.

Also die Töne sind bei Regen in Paris genauso. Nur, dass es dort nicht so schön aufgeräumt aussieht wie in dem Nancy auf deinen Fotos. Danke fürs Teilen, Jollylolly. :)
Benutzeravatar
Avonlea
 
Beiträge: 3619
Registriert: So, 13. Apr 2008 21:07
Wohnort: Nieselsachsen

Re: Westlothringen

Beitragvon jollylolly » Mi, 09. Okt 2019 19:18

Alles was unordentlich gewesen wäre, wurde vom Regen weggespült :grin:
Jeanne, mon Héroïne
Benutzeravatar
jollylolly
 
Beiträge: 1714
Registriert: Fr, 06. Aug 2010 20:47
Wohnort: Am liebsten am Meer im Finistère oder in der Normandie. Meistens aber am Teutoburger Wald

Re: Westlothringen

Beitragvon Mislep » Sa, 02. Okt 2021 13:49

Neufchâteau ist eine Stadt im Westen des Départements Vosges, von dem sie eine der 2 sous-préfectures ist. Die Stadt hat heute ca 6500 Einwohner und ist nach 40 Jahren Niedergang etwas eingeschlafen. Seit Anfang der 1980er Jahre hat Neufchâteau ca 1/4 seiner Einwohner verloren. Das wirtschlaftliche Leben, vor allem im Stadtzentrum, ist auf das Minimum reduziert und wird langsam durch grössere Supermärkte am Stadtrand ersetzt.
Die Stadt darf auf eine lange, reiche kulturelle Geschichte zurückblicken. Verschiedene katholische Ordnen (Augustiner, Templer usw.) hatten dort eine Niederlassung und sorgten für ein dynamisches kulturelles und künstlerisches Leben. Die Stadt ist also erstaunlich reich an Kulturerbe. Erst seit wenigen Jahren jedoch wird das durch ein immer aktiveres office du tourisme in den Vordergrund gestellt. Der Tourismus ist nämlich noch kaum entwickelt in der Gegend. Momentan sind die meisten Sehenswürdigkeiten nur in den Sommermonaten bzw. im Rahmen von Sonderveranstaltungen offen (inkl. die Kirchen...). Die Journées du patrimoine Ende September sind eine gute Gelegenheit, hinter die vielen geschlossenen Türen schauen zu dürfen. Ich nehme euch mit. :wink:

Bild

Die Altstadt erstreckt sich auf einen Felsenvorsprung über den Fluss Mouzon, der auf dem Stadtgebiet in die Maas mündet. Ganz oben befindet sich die Kirche Saint-Nicolas. Unten die Krypta (vorige Kirche), oben die heutige Kirche.
Bild

Bild

Schöne gotische Kirche.
Bild
Bild

Bemerkenswert ist eine Statuengruppe aus dem 15ten Jahrhundert, die die Ölung Christi darstellt. Sie stammt aus dem ehemaligen Franziskanerkloster und hat ihre originellen Farben grossteils behalten.
Bild

Etwas weiter unten in die Altstadt befindet sich der Place Jeanne d'Arc. Neulich ganz schön renoviert. Rund um den Platz stehen die Palais der lokalen Adel. Das schöne Ensemble stammt aus dem 17/18ten Jahrhundert. Während der Glaubenskriege stand Lothringen auf der Seite der Katholiker, also gegen Frankreich, das als Reaktion ganze Städte, darunter Neufchâte, zerwüstete. Es musste also nachher alles neu gebaut werden.
Bild

Bild

Bild

Das berühmteste Haus ist das "maison des Goncourt". So genannt, weil es dem Onkel der Gebrüder Goncourt gehörte. (Dieses Jahr leider nicht besuchbar)
Bild

Fortsetzung folgt...
Médiocres, où que vous soyez, je vous absous !
Benutzeravatar
Mislep
 
Beiträge: 1927
Registriert: So, 15. Jun 2008 20:38
Wohnort: Wien & Paris

Re: Westlothringen

Beitragvon Mislep » Sa, 02. Okt 2021 14:14

Unweit vom Place Jeanne d'Arc befindet sich das ehemalige Kloster der Augustinerinnen. Während der französischen Revolution wurde es aufgehoben und das Gebäudekomplex wurde geteilt. Ein Teil wurde zum lokalen Gerichtshof. Die Kirchenbänke des Chors wurden als Sitzplätze im Verhandlungssaal verwendet. Die niedrige Kriminalität in der Gegend führte zur Aufgabe des Gebäubde von der Justiz im Rahmen der Reform 2001. Die Gerichtsverhandlungen finden nur noch im Departementhauptstadt Epinal. Seitdem vegetiert das Gebäude vor sich hin und wird nur ein Paar Tage im Jahr für Besucher geöffnet.

Bild

Bild

Neben die Musikschule, die im ehemaligen Kloster beherbergt wird, findet man das wohl erstaunlichste Gebäude der Stadt: das Kino "Scala". Anfang des 19ten Jahrhundert äusserten die Einwohner von Neufchâteau den Wunsch, ein Theater zu haben. Es wurde also ein Theatersaal im italienischen Stil gebaut. Ein Jahrhundert später war das Kino beliebter als das Theater und das Scala verwandelte sich in einen Kinosaal. Was es bis 2018 blieb. In diesem Jahr wurde am Rande der Altstadt ein modernes Multiplex eröffnet, das viel mehr Zuschauer anzieht. Seitdem vegetiert das Scala vor sich hin und wird, wie der benachbarte Gerichtsaal, nur ein Paar Tage im Jahr für Besucher geöffnet.
Bild

Bild

Bild

Bild

Weiter in die rue de la Comédie und wir erreichen die zweite Kirche der Stadt, Saint-Christophe. Gotische Kirche hauptsächlich aus dem 13ten Jahrhundert.
Bild

Bild

Bemerkenswert ist die chapelle Wiriot (Name eines lokalen Künstlers), ein Meisterwerk der Renaissance-architektur mit 12 geschnitzten hängenden Schlusssteinen.
Bild

Bild
Médiocres, où que vous soyez, je vous absous !
Benutzeravatar
Mislep
 
Beiträge: 1927
Registriert: So, 15. Jun 2008 20:38
Wohnort: Wien & Paris

Re: Westlothringen

Beitragvon Mislep » Sa, 02. Okt 2021 14:29

Im Zentrum der Stadt, rue Saint-Jean, findet man sowohl das Rathaus als die Sous-préfecture. Das Rathaus findet sich im Hôtel de Houdreville aus der Renaissance. Interessant sind hauptsächlich das Hauptportal und die Treppen. Das Büro des Bürgermeisters, das Festsaal und andere Seminarräume sind eher unspektakulär.

Bild

Bild

Die Treppen sind wegen ihrer wunderschönen Decke sehenswert.
Bild

Bild

Bild


Ein bisschen weiter erreichen wir die Sous-préfecture, im Hôtel de Malte. Die letzten Besitzer waren nämlich der Malteserorden. Das aktuelle Gebäude stammt aus dem 18ten Jahrhundert. Nur die Empfangsräume sind in den Journées du patrimoine besuchbar.
Bild

Bild

Bild


Am Rande der Altstadt, das ehemalige Krankenhaus des heiligen Geistes mit renovierungsbedürftiger Kapelle. Heute Wohnungen.
Bild

Bild

Und auf der anderen Seite ein kleiner jüdischer Friedhof. Die jüdische Gemeinde dürfte heute am Aussterben sein. Neuere Gräber sind nicht zu sehen...
Bild
Médiocres, où que vous soyez, je vous absous !
Benutzeravatar
Mislep
 
Beiträge: 1927
Registriert: So, 15. Jun 2008 20:38
Wohnort: Wien & Paris

Re: Westlothringen

Beitragvon Côtier » Sa, 02. Okt 2021 18:36

Neufchâteau ist eine Stadt im Westen des Départements Vosges, von dem sie eine der 2 sous-préfectures ist. Die Stadt hat heute ca 6500 Einwohner und ist nach 40 Jahren Niedergang etwas eingeschlafen. Seit Anfang der 1980er Jahre hat Neufchâteau ca 1/4 seiner Einwohner verloren. Das wirtschlaftliche Leben, vor allem im Stadtzentrum, ist auf das Minimum reduziert und wird langsam durch grössere Supermärkte am Stadtrand ersetzt.
Die Stadt darf auf eine lange, reiche kulturelle Geschichte zurückblicken. Verschiedene katholische Ordnen (Augustiner, Templer usw.) hatten dort eine Niederlassung und sorgten für ein dynamisches kulturelles und künstlerisches Leben. Die Stadt ist also erstaunlich reich an Kulturerbe. Erst seit wenigen Jahren jedoch wird das durch ein immer aktiveres office du tourisme in den Vordergrund gestellt. Der Tourismus ist nämlich noch kaum entwickelt in der Gegend. Momentan sind die meisten Sehenswürdigkeiten nur in den Sommermonaten bzw. im Rahmen von Sonderveranstaltungen offen (inkl. die Kirchen...). Die Journées du patrimoine Ende September sind eine gute Gelegenheit, hinter die vielen geschlossenen Türen schauen zu dürfen. Ich nehme euch mit. :wink:


@Mislep

Danke für diese sehr umfangreiche "Einladung" in diese Region Frankreichs..
wunderbare Bilder und sehr schöne Kommentare dazu.. :merci: grossartig..

a bientôt
der Côtier :top:
"Wenige Menschen denken, aber alle haben eine Meinung."



George Berkeley, Philosoph
Benutzeravatar
Côtier
 
Beiträge: 327
Registriert: Do, 19. Jul 2007 08:01
Wohnort: Morgarten (Suisse)

Re: Westlothringen

Beitragvon Frau Kerner » Di, 05. Okt 2021 12:52

Was ich nie verstanden habe, ist, daß sich Gebildete, Halbgebildete, normale Menschen, Menschen auf der Suche nie von dem Kulturbild des Adels, der Kirche oder der Haute Bourgeoisie befreien können.

Sie himmeln immer als schön, großartig, einmalig, sehenswürdig an, was unter Schweiß und Tränen, mit Verletzungen, Vergiftungen, Erblindungen, Unfällen, Todesfällen von Sklaven (Künstlern, also Handwerkern mit Geschick) in totaler Abhängigkeit geschaffen wurde; was jedoch zugleich in Kriegen von feindlichen Mächten erbarmungslos vernichtet, bombardiert, zerstört werden konnte; sogar vom nächsten Bauherrren, dem etwas anderes gefiel.

Darunter auch religiöse Bauwerke wie Klöster, Kirchen, monumentale Paläste. Ebenso Schlösser.

Was eigentlich dem Volk gehört, darf man dann gegen Geld besichtigen.

Daran ändert auch nichts, daß gerade in Frankreich die Pädokriminaltäts-Kommission von den Verbrechen, die sich über Jahrhunderte hinziehen, nur für die letzten 50 bis 70 Jahre eine halbe Million Opfer ermittelt hat.
Ungesühnte Verbrechen, zerstörte Seelen, zerstörte Leben.

Und weiterhin werden die bewußlosen Massen in die Tempel der Herrschenden strömen und "Ah" und "Oh" jauchzen und stöhnen, ehrfurchtsvoll, erschauernd, eingeschüchtert.

Geschichtsloses Volk, ideologisch imprägniert, schlimm.

Schon vor Jahrzehnten habe ich auf einer von einer Universität organisierten Sizilien-Reise gesagt, statt Kirchen und Palazzi sollten wir lieber mal ein Krankenhaus oder eine Mülklkippe besuchen.
Nachdem ich jetzt zweimal länger in Sizilien gelebt habe, habe ich erkannt, wie Recht ich hatte.
Frau Kerner
 
Beiträge: 19
Registriert: Sa, 03. Jul 2021 20:07

Re: Westlothringen

Beitragvon Avonlea » Di, 05. Okt 2021 14:57

Mislep, vielen Dank fürs Teilen deiner Eindrücke aus Neufchâteau. Das ist eine Region, die man nicht so oft zu sehen bekommt und wo man wohl auch selten seinen Jahresurlaub verbringt. Umso schöner ist es zu sehen, dass man trotzdem kleine Juwele mit Geschichte entdecken kann.
Benutzeravatar
Avonlea
 
Beiträge: 3619
Registriert: So, 13. Apr 2008 21:07
Wohnort: Nieselsachsen

Re: Westlothringen

Beitragvon jollylolly » Di, 05. Okt 2021 18:20

Hi Mislep, vielen Dank, endlich mal wieder ein Reisebericht, auch wenn die Ecke sich einem nicht auf den ersten Blick erschliesst, aber es lohnt sich echt mal dahin zu fahren :merci:
Jeanne, mon Héroïne
Benutzeravatar
jollylolly
 
Beiträge: 1714
Registriert: Fr, 06. Aug 2010 20:47
Wohnort: Am liebsten am Meer im Finistère oder in der Normandie. Meistens aber am Teutoburger Wald

VorherigeNächste

Zurück zu Reisen in Frankreich

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste