"Ein Sommer in der Normandie" von Nadine Roux

Die literarische Rubrik: Tipps und Kritiken der französischen Werke und Autoren

Moderator: Moderatoren

"Ein Sommer in der Normandie" von Nadine Roux

Beitragvon NadineRoux » Do, 13. Jul 2017 17:32

Liebe Gemeinde,
nach Rücksprache mit den Moderatoren darf ich euch hier meinen ersten Roman vorstellen und freue mich über jede Leserin (und auch Leser!). :merci:

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VÖ 29.06.2017
296 Seiten


Es ist ein leichtes Sommerbuch und erzählt die Geschichte einer erfolgreichen Schriftstellerin mit einem komplizierten Privatleben, die nach Besserung sucht, was sich als gar nicht so leicht herausstellt.
Das Buch ist in allen gängigen Online-Shops erhältlich und kann auch in der Buchhandlung Ihres Vertrauens bestellt werden. Ich gebe hier je einen Link zu Amazon.
:arrow: E-Book :ISBN 978-3-7450-9377-3 2,99€
Print-Buch :arrow: ISBN 978-3-745-09035-2
Achtung, es ist ein Print-On-Demand-Artikel. Das heißt, dass es als "nicht auf Lager" angezeigt wird, aber bei Bestellung trotzdem unmittelbar gedruckt wird.

Gustave Flaubert war von seiner Heimat Normandie nicht begeistert, sondern sehnte sich so sehr nach der Sonne Korsikas, dass er behauptete, in der Normandie sehe man die Sonne so oft wie Perlen am Hintern der Säue. Auch die Protagonistin in Ein Sommer in der Normandie, Camille Brochard, hält nichts von diesem Landstrich zwischen ihrer Heimat Paris und dem Ärmelkanal. Zu sehr schmerzen die glücklichen Erinnerungen, die sie mit einem Ausflug ihrer Kindheit damit verbindet. Denn jetzt ist nichts mehr wie es mal war und unglücklich verheiratet ist sie auch noch. Dabei ist Camille erst 29 Jahre alt, überaus erfolgreiche Krimiautorin und könnte eigentlich nicht klagen. Das sieht sie selber aber ganz anders und lässt es alle spüren. :gun:

Einmal war sie in einer Talkshow, in der der Moderator versuchte, Camille in ein angenehmes Licht zu rücken.
„Madame Brochard, Sie sehen heute fabelhaft aus. Man mag gar nicht glauben, dass Sie die düstersten Kriminalromane Frankreichs schreiben!“ Es folgte ein kleines Lachen, jenes, das diese Fernsehleute immer beherrschten. Jenes, das aussagte: Schaut her, wie fantastisch ich bin, niemand kann mir widerstehen! Aber eine Camille Brochard hatte darauf natürlich die richtige Antwort.
„Man mag aber sehr wohl glauben, dass Sie die langweiligste Talkshow des Landes moderieren, Monsieur. Haben Sie meine Bücher gelesen?“
Sämtliche Gesichtszüge waren dem Moderator bereits entglitten und dann sollte er auch noch eine Frage beantworten. Was für eine Katastrophe. Er wand sich wie ein Wurm. Camille unterdessen hatte sich zurückgelehnt und ihren linken Fuß, an dem ein roter High Heel steckte, auf ihr rechtes Knie gelegt. Sie saß da wie ein Mann und nagelte den armen Kerl mit ihrem stechenden Blick fest, in dem Spott, Missachtung und auch eine Spur Spaß stand.


Ihre Familiengeschichte und das Drama ihrer Ehe holt sie immer wieder ein. Nur ihr Schwiegervater Georges hält noch zu ihr, bei ihm taut sie auf. Aber auch er hat ein Geheimnis, das sich erst langsam aufblättert.

Als sich zu ihrem Unglück noch eine Schreibblockade gesellt, folgt sie dem Rat ihrer ungeliebten Lektorin und geht auf Recherchereise nach Trouville-sur-Mer. Dort lebt auch ihre beste und einzige Freundin Magali mit ihrer kleinen Familie und wider Willen lebt sich Camille dort ein. Arrangiert sich mit sowas Lästigen wie Sonne, Erholung und Freundschaft. Außerdem taucht immer wieder der Landwirt und Koch Romain Léo auf, der zu einer ernsthaften Gefahr für ihren Panzer wird, den sie um ihr Herz und ihr Leben herum gelegt hat. Ihr heiß geliebter Spott und ihre Bissigkeit wirken bei ihm nicht. :starw:

„Die Roches Noires gibt es in Trouville zweimal. Einmal ist das der Name des ehemaligen Hotels, das Claude Monet verewigt hat und einmal sind es tatsächlich die schwarzen Felsen. Wir schauen uns heute die Felsen an“, begann Romain seinen touristischen Vortrag, aber Camille schien ihm nicht zuzuhören. Er fragte unsicher, ob sie alles mitbekommen habe.
„Es interessiert mich nicht. Das kann man im Internet nachlesen.“
Er wurde sauer: „Entschuldigen Sie bitte, dass ich meine kostbare Zeit opfere, um Ihnen an Magalis statt den Ort zu zeigen!“
Camille blieb stehen. „Ich bin Ihnen dafür dankbar, Monsieur Léo.“ Sie wartete einen Moment seine Verwirrung ab und lächelte ihn an. Jetzt hatte La Brochard die Überhand gewonnen, endlich. „Sie haben mir nur gerade eine hervorragende Vorlage für eine meiner neuen Figuren geliefert, ich musste es sofort notieren.“
Romain verdrehte die Augen und ging weiter. „Lassen Sie mich raten, welche. Eine Leiche?“ :|
„Bingo.“ :twisted:


Außerdem ist da noch Madame Jeanette, eine stinkreiche alte Dame, die in ihrem verstaubten Belle-Époque-Haus zwischen Prunk, Staub und Möbel aus den Sechzigern lebt. Camille interessiert sich für ihre Geschichte und wittert Stoff für ihren neuen Roman. Aber Madame Jeanette macht ihr einen Strich durch die Rechnung und hat ihre eigenen Pläne mit Camille.

„Da sind Sie schon wieder, Madame Brochard? Gefällt Ihnen meine Galerie nicht?“ Madame Jeanette lehnte sich in ihrem alten Sessel mit dem zerschlissenen Polster zurück und überkreuzte die Beine.
„Nein, sie gefällt mir nicht. Es ist keine Galerie, Madame. Mit Verlaub.“
„Papperlapapp!“, winkte sie ab. „Es kommt nicht auf die Darbietungsform an.“
„Sie haben da oben einen Monet.“
„Als wenn ich das nicht wüsste.“
„Das sind Werte, Madame. Sie sollten darauf Acht geben.“
„Mir gefällt es so.“ Sie sah Camille herausfordernd an, aber die gab nach und zuckte mit den Schultern.
„Mir soll es gleich sein. Ich mache mir nichts aus Kunst, Madame Jeanette.“
„Ich auch nicht.“

Ein Sommer in der Normandie soll Unterhaltung sein für schöne Lesestunden im Garten (oder bei dem Wetter auch auf dem Sofa), die Normandie in Buchstaben gießen und unterschiedlichste, verschrobene Charaktere zusammenführen. Wer danach Lust hat hinzufahren: Mit der Bahn braucht man ab Paris etwa zwei Stunden.

Der Schauplatz ist die Côte Fleurie zwischen Villers-sur-Mer und Honfleur, auch ein Ausflug nach Étretat bekommt seinen Raum. Camille erinnert sich ebenfalls an besondere Orte in ihrer Heimatstadt Paris und in Fontainebleau.
Ein paar Impressionen von Trouville-sur-Mer: :love:
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Re: "Ein Sommer in der Normandie" von Nadine Roux

Beitragvon jollylolly » Do, 13. Jul 2017 19:33

Das liest sich ja schonmal interessant, die Gegend ist auf jeden Fall auch sehr schon zu Beschauen. Mal sehen, vielleicht kann ich das Buch an den Handlungsorten lesen.... :-D
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Re: "Ein Sommer in der Normandie" von Nadine Roux

Beitragvon Souris » Fr, 14. Jul 2017 15:00

Ich habe es auch schon bestellt und warte schon ganz gespannt. An den Handlungsorten kann ich es nicht lesen, und vielleicht kann ich noch nicht m,al bis zum Urlaub warten... Der neue Banalec liegt aber hier auch schon hier und wartet auf den Urlaub... :oops:
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Re: "Ein Sommer in der Normandie" von Nadine Roux

Beitragvon Avonlea » Fr, 14. Jul 2017 15:53

Daraus schließen wir, dass du einfach mehr Urlaub machen musst. :wink:
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Re: "Ein Sommer in der Normandie" von Nadine Roux

Beitragvon Souris » Di, 18. Jul 2017 18:55

Ja, oder früher. Irgendwie scharren wir alle schon mit den Hufen, aber dieses Jahr mussten wir eben die letzten drei Ferien Wochen nehmen, statt der ersten... :roll:
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