Diskussion um Fresken aus der Kolonialzeit

Sprechen wir von der Geschichte unserer beiden Länder, damit wir die Gegenwart besser verstehen und die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen

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Diskussion um Fresken aus der Kolonialzeit

Beitragvon Avonlea » Mo, 19. Sep 2011 21:39

Manche Paris-Besucher haben sie vielleicht schon gesehen, etwa im 5.Arrondissement: Mit Gemälden geschmückte Hausfassaden. Nur leider zeigen diese Fresken Dinge, die nicht mehr in die heutige Zeit passen. Französische Kolonial"helden" und Dunkelhäutige, die ihnen dienen. Die Onlinezeitung Rue89.com sammelte Meinungen. Eine junge Pariserin etwa sagte bei Betrachtung eines Bildes, das eine weiße Frau an einem Tisch und ihren dunkelhäutigen Diener zeigt: "Das ist wirklich unangebracht. Schon ein Schwarzer, der eine Weiße bedient. Und dazu noch das Wort 'Neger'. Das ist wirklich rassistisch."

Bild
Quelle:parisecret.20minutes-blogs.fr

Im 2.Arrondissement über einem ehemaligen Laden, der exotische Produkte aus Übersee verkaufte, ist eine andere Szene aufgemalt, ein spärlich bekleideter Dunkelhäutiger serviert einem weißen Plantagenbesitzer ein Getränk.

Bild
Quelle:parisecret.20minutes-blogs.fr

Wie gesagt, die Leute heben in den Städten selten den Kopf, ihnen fällt nicht auf, was sie da sehen könnten. Jetzt aber tobt in Paris eine Debatte über jene Bilder. Für die einen gehören zum Kulturerbe dazu, die einen bezeichnen sie als Schande, die schnellstmöglich übermalt werden muss. Jene, die hin- und hergerissen sind zwischen beiden Meinungen, führen an, dass die Bilder ohne Erklärung sind, dass etwa Kinder, die sie betrachten, solche Stereoptypen verinnerlichen könnten.

Die Hausbesitzer jedenfalls könnten, selbst wenn sie wollten, mit den Malerein nicht einfach kurzen Prozess machen: Die oben angesprochenen "Nègre joyeux" und "Planteur" stehen auf der Liste der Monuments Historiques; jede Veränderung müsste vom Kulturminister persönlich beschlossen werden.

Wäre es richtig, den Pariser Zeugen der dunklen Kolonialzeit den Garaus zu machen oder wäre es überkorrekt und eine Schande für das kulturelle Erbe Frankreichs?


Links
Blog mit hitzigen Kommentaren: Quand Paris porte les traces d'un passé colonial, Juli 2010
Artikel: A Paris, faut-il retirer les fresques du temps des colonies ? Rue89.com, September 2011
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Beitragvon le ukoplast » Mo, 19. Sep 2011 21:50

Für mich eindeutig KULTURERBE,es war einmal und sollte bleiben.Sehe das als Erinnerungen an alte Zeiten und nicht als Diskriminierung in der "Neuzeit".Außerdem finde ich die Bilder an den Hauswänden sehr schön. :wink:
heile, heile leukoplast,in 100 Jahren du nix mehr....
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Beitragvon Souris » Di, 20. Sep 2011 07:26

Es ist Geschichte. Die Bilder zu übermalen würde bedeuten die Geschichte auszulöschen, so unschön die Zeiten auch gewesen sein mögen, sie gehören dazu. Genau wie die Geschichte in unserem Land, sie kann ja auch nicht einfach übertüncht werden...
Zuletzt geändert von Souris am Di, 20. Sep 2011 20:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Avonlea » Di, 20. Sep 2011 14:01

Man ändert Straßennamen, reißt Denkmäler ein und löst Gräber auf, damit sie nicht zu Pilgerstädten von Ewiggestrigen werden. Und das hier?
Auch wenn diese Bilder gewissermaßen Kunst sind, finde ich nicht, dass man sie einfach so stehen lassen sollte, weil sie einen dunklen Teil der Geschichte feiern. Wenn, dann muss man daraus Mahnmale machen, sie kommentieren o.ä..
Wenn ich dunkelhäutig und Franzose wäre, würden mich diese Bilder wahrscheinlich stören, weil sie wie selbstverständlich da hängen.

Das obere Bild samt Schild kann man ohne Probleme abhängen und etwa in ein Museum bringen.
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Beitragvon Mislep » Di, 20. Sep 2011 16:05

Dann sollten wir Fresken in Pompeii oder Griechenland übermalen, die Sklaven zeigen...
Lassen wir das einfach so. Das ist ein Beweis, dass es passiert ist. Sollen wir dann jedes Bild verbieten, das ein schwarzer Diener zeigt ? Das war leider sehr lange so, und nicht nur in Frankreich. Wichtig ist nicht, diese Bilder zu verstecken, sondern zu beweisen, dass die Gesellschaft sich entwickelt hat, und dass ein Schwarzer heute nicht nur Diener sein kann.

Also für mich ist das das falsche Debatt.
Médiocres, où que vous soyez, je vous absous !
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Beitragvon edwin » Di, 20. Sep 2011 18:19

ich finde auch das sollte man lassen.gegen das vergessen und es ist teil der geschichte frankreichs.
ausserdem,ist doch nicht hässlich!?
:wink:
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Beitragvon michelmau » Di, 20. Sep 2011 18:22

Ich denke auch , daß die Fresken dort bleiben sollen, wo sie sind, als einwandfreies Zeugnis aus der kolonialistischen Vergangenheit Frankreichs.
Leute sollen daran vorbeigehen und sich Fragen über den Ursprung solcher Bilder stellen. Kinder sollen die Eltern nach der Bedeutung solcher Vorstellungen fragen.
In Museen ? Möchte wissen, welche Prozentzahl der Bevölkerung regelmäßig Museen besucht...aber in der Straße !
"C'est curieux chez les marins ce besoin de faire des phrases." (Maitre Fourasse in "Les Tontons flingueurs.")
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Beitragvon edwin » Di, 20. Sep 2011 18:40

richtig,michel.
nantes war auch ein grosser sklavenhafen.man hat nun an den kais direkt an der loire ein modernes mahnmal gebaucht.es soll eine sklavenkette dastellen.
Bild
Bild
im chateau des ducs de bretagne(stadtzentrum)gibt es ein museum,aber wer geht schon oft in ein museum..
:wink:
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Beitragvon Avonlea » Di, 20. Sep 2011 19:36

Das ist ein Mahnmal! Zu so etwas könnte man auch die Fresken machen, indem man sie durch Ergänzungen erklärt. Durch eine Tafel oder durch Pflastersteine wie die Stolpersteine, die bei uns vor entsprechenden Häusern auf von den Nazis deportierte Juden hinweisen. Wenn die Bilder schon Monument Historique sind, dann aber auch richtig.
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Beitragvon edwin » Di, 20. Sep 2011 20:46

du hast recht.ich wollte nur zeigen,das nicht überall in frankreich versucht wird unrühmliche geschichte zu vertuschen.
:wink:
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