8. Mai - Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus

Sprechen wir von der Geschichte unserer beiden Länder, damit wir die Gegenwart besser verstehen und die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen

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8. Mai - Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus

Beitragvon esge » Di, 08. Mai 2007 20:25

Hallo

noch vor Jahren war der 8. Mai ein großer Gedenk- und Feiertag - ganz sicher vor der Wende im Ostteil des Landes, das den 2. Weltkrieg vom Zaun gebrochen hat. Im Hier und Heute findet er kaum noch in den Nachrichten Erwähnung.

Ich mache deshalb heute eine Ausnahme und stelle auch den Originaltext eines Liedes hier rein. Der Autor, Franz Joseph Degenhardt, hätte gewiss nichts dagegen (hoffe ich ) Meine Übersetzung hat sicher viele Fehler - der Text ist auch schwierig zu übersetzen, deshalb korrigiert bitte fleißig !

Wolgograd
Text: Degenhardt, F.J. Musik Detlev Haak

Nicht wie in andere Städte kommst du in diese Stadt
Auch noch nach dreißig Jahren kommst du nach "Stalingrad"
Trockener Wind aus der Steppe, heiß und mit fremden Geruch,
breite Straßen und Bäume, Plätze und Platz genug.
An der Panzerkanone hangelt ein Kind und lacht laut,
untergehakte Mädchen singen dir unter die Haut

Nichts ist vergessen und niemand.


pas comme dans autres villes viens-tu dans cette ville
aussi encore 30 ans tu viens à « Stalingrad »
de vent sec au steppe, c´est chaud et avec l´odeur étrangère,
des larges rues et des arbres, des places et assez de place
un enfant progresse, suspendu avance au canon de char et rit fort
filles qui pendue à ses bras chantent à toi sous la peau

rien n´est oublier et personne

Ich grüße euch rote Fahnen, und Lenin vor Pawlows Haus.
Und der Mamai-Hügel schwärmt noch immer Granatsplitter aus.
Gewaltige Mutter vom Hügel, Madonna mit Friedensschwert,
dich grüß ich und auch das Mädchen in Mini, das Penny-Lane hört,
selig und an beiden Ohren lautes Transistorgerät
Die Kwaswagenschlange lächelt, wenn es vorübergeht.

Nichts ist vergessen und niemand.


Je vous salue les drapeaux rouges et Lenin devant la maison de Pawlow
Et la colline de Mamai afflue encore toujour des éclats de grenade
Grande mère de colline, Madonna avec l´épée de paix
Je te salue et aussi la fille dans la minijupe ce qu´écoute comblé Penny-Lane
Et le fort radio à les oreilles
la file de voitures avec kwas , c´est souri, si elle va passer.

rien n´est oublier et personne

Weiße Touristenschiffe kenn ich, auch springenden Stör,
schwimmende Menschen in Flüssen kenn ich schon lange nicht mehr
Wolga, du wirklich schöne, du ruhige, die selten schäumt.
Von dir haben Menschen friedlich, gierig die Herren geträumt.
Und trinke am Ufer mit Igor aus der Traktorenfabrik
auf unsere Frauen und Kinder und Frieden und Freundschaft und Glück

Nichts ist vergessen und niemand


Je connais les bateaux de touriste, aussi d´esturgeon qui saute
Des gens qui nagent dans les fleuves, je ne connais pas longtemps
Wolga, vraiment belle, calme, qui écume rarement
De toi, les gens ont rêvé pacifiquement et les seigneurs avidement
Et sur la rive je bois avec Igor à l´usine de tracteur
à nôtres femmes et enfants et à le paix et à l´amitié et le bonheur

rien n´est oublier et personne

Kehlige Abschiedslieder kommen über den Fluss,
und nur wegen Abschied krieg ich von Valentin einen Kuss
Samt, sagt man, sind diese Nächte, schwarz und am Steppenrand rot,
wenn wir nach Astrachan fahren im weißen Tragflügelboot.
Nicht wie aus anderen Städten kommst du aus Wolgograd,
du hast sie selber gesehen, die heitere Heldenstadt.

Nichts ist vergessen und niemand.


Des gutturales chansons d´adieux viennent au-dessous la rive
Et seulement à cause d´adieu je reçois un baiser de Valentin
On dit que les nuits sont avec velours, noir, et rouges dans la bordure de steppe
Quand nous allons d´Astrachan dans le bateau de surface portante
pas comme dans autres villes viens-tu dans cette ville
toi-même, tu as la vu, la ville heroïque enjoué

rien n´est oublier et personne
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Beitragvon al » Fr, 01. Mai 2009 15:42

2. weltkrieg? was ist denn das?!

kaum einer meiner praktikanten, und davon habe ich jedes jahr mehrere, kennt noch die daten, wie etwa beginn und ende des krieges. selbst der name des "propagandaministers" kennt kaum noch einer.

gut, in einer woche ist es wieder soweit. gedenken wir der toten, der ermordeten und der helden, die heute keiner mehr kennt.

glaubt man den jungen deutschen waren wahrscheinlich alle grosseltern und urgrosseltern im widerstand. ich könnte kotzen. warum kann man nicht bei der wahrheit bleiben. z.B. ist mein vater als soldat im 2. WW nach finnland gekommen und hat dort fleissig russische soldaten ermordet. ich hab es ihm immer vorgehalten, er hat es nie verstanden und ich hoffe daher, das sein tod kein leichter war.


also, in einer woche, denkt mal dran.
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Beitragvon Souris » Sa, 02. Mai 2009 10:06

Franz Josef Degenhardt wurde in der Stadt geboren, in der ich lebe. Sein bekanntestes Lied hierzulande ist "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern".

Tut mir leid Al, ich finde Du machst es Dir viel zu leicht, Du scherst alle über einen Kamm und das ist ungerecht.

Ich kann jetzt nicht näher darauf eingehen, im Moment finde ich andere, persönliche, Dinge viel wichtiger.
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Beitragvon cri-zi » Sa, 02. Mai 2009 16:24

Im Moment ist wohl mehr angesagt, dass man "endlich mal der deutschen Opfer gedenkt, denn das darf ja keiner sagen usw.usw.", als ob sie uns nicht in den Ohren gelegen hätten nach dem Krieg, die Vertriebenen, was sie alles verloren haben und wie unschuldig sie doch waren und wie die Russen so fies. Und wie sie überhaupt alle so gar nichts gewusst haben, alle, nicht nur die Vertriebenen. Dabei gibt es genug Fotos, wie sie am Straßenrand stehen und grölen, wenn die Juden durch die Straßen zum Bahnhof getrieben werden. Aber das waren wohl immer andere.
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Beitragvon nebenstelle » Sa, 02. Mai 2009 17:37

Bin sprachlos wie pauschal, scharf, hart und kalt Ihr über Eure eigenen Vorfahren urteilt!

Woher kommt diese Härte nur?

Vom Versuch, sich von jedem Versagen, jeder Ambivalenz freizukämpfen?
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Beitragvon al » Sa, 02. Mai 2009 17:40

das ist aber das was die schulen vermitteln. schuld sind die nazis. nicht die bürger. und wenn ich dann frage, wer hat den juden, den schwulen oder den kommunisten angezeigt, kommt ein achselzucken. wer hat die verhaftet ( die polizei?!) wer hat sie abtransportiert (der bahnbeamte!?) wer hat im lager gearbeitet? das waren keine nazis, oh nein, das waren deutsche bürger, die natürlich nur ihre pflicht gegenüber ihrem vaterland getan haben. sie alle waren unschuldig.....

....und das glaubten sie wirklich!

jetzt könnten wir uns rausreden und sagen, das haben wir ja nicht erfunden, also den ethnischen massenmord, das haben die amerikaner in den usa viel besser gemacht, oder die türken damals mit den armeniern.
hinkt aber alles. schuld ist schuld und geschichte bleibt.
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Beitragvon edwin » Sa, 02. Mai 2009 18:00

das ist die deutsche paranoia.. :-(
ich habe noch in den späten 70ern ,die gesammtschuld und das die deutschen das übelste volk auf der erde sind,in der schule
um die ohren geschlagen bekommen.natürlich haben wir die pflicht des nichtvergessens der hitler-diktatur und der
schoa.aber wir sind jetzt schon fast in der dritten generation nach dem krieg.lasst doch endlich die toten ruhen.....
:(
Zuletzt geändert von edwin am Sa, 02. Mai 2009 23:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Avonlea » Sa, 02. Mai 2009 20:03

Zeit vergeht nun mal. Es ist nicht nötig, alles zu wissen. Es ist aber wichtig, die Verantwortung zu tragen, was in der Zukunft daraus wird. Wichtig ist nur sicherzustellen, dass sich die Dinge nicht wiederholen und da ist man sicher auf einem guten Weg. Man darf nicht vergessen, aber man sollte auch nicht andauernd erinnern.
schuld ist schuld und geschichte bleibt.

Das sehe ich nicht so. Ich sehe nicht ein, Schuld für etwas zu tragen, das ich nicht getan habe. Das ist unrecht. Erzählst du deinen Kindern ernsthaft, dass sie Schuld an dem haben, was vor 60 Jahren geschehen ist?
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Beitragvon cri-zi » Sa, 02. Mai 2009 21:10

edwin hat geschrieben:.lasst doch endlich die toten ruhen.....
:(


Sie ruhen aber nicht, so lange noch solche Demjanjuks gemütlich ihre Pension verzehren! Und so lange noch die Opfer unter uns leben. Woher die Härte meiner Generation kommt? Davon, dass wir die ganze Verlogenheit nach dem Krieg mitbekommen haben!Weil eben unsere Eltern sich ihrer Verantwortung nicht gestellt haben! Und unsere Lehrer, die uns ständig Geschichten erzählt haben, wie grausam sie in der Kriegsgefangenschaft behandelt wurden. Und von denen leben ja auch noch viele. Wie könnten da die Toten ruhen?
Aber Schuld, Schuld sind wir nicht mehr und ihr Jüngeren erst recht nicht.
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Beitragvon nebenstelle » Sa, 02. Mai 2009 21:27

cri-zi hat geschrieben:Woher die Härte meiner Generation kommt? Davon, dass wir die ganze Verlogenheit nach dem Krieg mitbekommen haben!Weil eben unsere Eltern sich ihrer Verantwortung nicht gestellt haben!


Okay, ich sehe, das ist eine andere Perspektive und eine andere Erfahrung. Auch wenn ich weiterhin für den "vielschichtigen" Ansatz plädieren wollte (wie Du ja gewiss auch :wink:)

A propos: Gehört das eigentlich mit dazu?

Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus

Klingt so nach "abgeschüttelt wie ein böser Fluch". Da ist nicht eben viel Verantwortung drin. Aber klar, das war zunächst mal ein offizieller realsozialistischer Begriff aus dem Osten. Und die ganze Debatte ringsrum ist gewiss auch schon tausendmal geführt worden, mit aller nötigen Leidenschaft und Unversöhnlichkeit :wink:
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Beitragvon cri-zi » So, 03. Mai 2009 01:44

Es gibt eben nur die zwei Versionen: Befreiung oder Niederlage. Vielleicht findet man später einmal einen besseren Begriff, so wie man ja jetzt auch die "Reichskristallnacht" durch die "Reichspogromnacht" ersetzt hat.
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Beitragvon Tonton » So, 03. Mai 2009 04:56

al hat geschrieben:glaubt man den jungen deutschen waren wahrscheinlich alle grosseltern und urgrosseltern im widerstand. ich könnte kotzen. warum kann man nicht bei der wahrheit bleiben.


huuuu, da haben die Franzosen das ja vieeellll besser:
die waren sowieso alle im Widerstand, sogar ehemalige Ministerialdirektoren unter Petain waren im Grunde ja auch Widerstandskämpfern - damit sie später keine Probleme hatten Präsident zu werden (Mitterand).

Und um die Sache auch abzurunden hat man auch gleich noch eine nette, kurze Verjährungsfrist (10Jahre) für bestimmten, nun ja, sagen wir mal "zeittypische" Delikte wie Mord erlassen.
10 Jahre den Buckel krumm machen, wird man ja wohl noch schaffen, besonders, wenn die Staatsanwaltschaft still hält.
Aber das klappt ja gut, hat sich auch in Algerien bewährt, warum abschaffen, was sich bewährt hat.??

Lassen wir mal die Deutschen sich in ihren Schuldgefühlen wälzen. Haben sie eh nicht anders verdient ! Brauch' man ja nicht gleich mitmachen.
Warum verlieren die auch immer - selbst Schuld !
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Beitragvon Cristobal » So, 03. Mai 2009 09:27

Eigentlich fast alles offtopic hier. Aber was solls:

Meine Meinung:
Wenn die heutigen Jugendlichen das Geschehene mit Unwissen und Vergessen strafen, dann liegt es wohl weniger an ihnen selbst dann sollten sich doch vielmehr Eltern, Großeltern, Erziehern und Lehrern an die Nase fassen, wenn sich die Ereignisse samt Lehren aus Nazidiktatur und Krieg langsam im Sand verlaufen: Der Generation 1945+. War die vielleicht doch zu sehr mit sich Selbst und ihrem Selbstmitleid beschäftigt, die Kinder von potentiellen Mördern und Verdrängern/Vegessern zu sein? Hat die nicht auch nur einfach versucht zu verdrängen als sie immerzu hervorhob, dass all das mit Ihr nie und nimmer geschehen wäre? Hat die den Tag der Niederlage zum Tag der Befreiung gemacht, um endlich frei sein zu können von der Vorstellung Kinder feiger Eltern und deren düsterer Vergangenheit zu sein?
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Beitragvon esge » So, 03. Mai 2009 10:34

Hallo

bin auch einigermaßen überrascht, wie sich die Diskussion hier entwickelt hat - und wie undifferenziert über den Umgang mit Geschichte an sich und Schuld oder nicht Schuld Einzelner debattiert wird.

Wer keine - ich nenne es mal "Ausnahmesituation" wie den Krieg erlebt hat - darf einfach nicht pauschal Leute, die in solchen Situationen waren verurteilen und wer nicht mal in der Lage ist, seine Eltern oder Verwandte begreifen zu wollen - man muss ja trotzdem nicht alles gutheißen, der hat überhaupt nichts begriffen. Aber sind sicher die Lehrer dran schuld!

Heutzutage rennt - ich sag´s mal überspitzt - jeder der wegen eines abgebrochenen Fingernagels nachts nicht schlafen kann, zur Therapie damit das Selbstwertgefühl nicht sinkt ... Mit solchen überlebenswichtigen Fragen der heutigen Zeit mussten sich die Leute während oder nach dem Krieg Gott sei Dank nicht rumschlagen! Die Zeiten waren viel einfacher als heute, schließlich musste man nicht überlegen, was man mit so einer Katastrophe wie dem demolierten Fingernagel anstellt und das "ach wie seh ich denn jetzt aus, so kann ich nicht vor die Tür"-Gejammere war damals auch nicht IN.

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Beitragvon al » So, 03. Mai 2009 11:18

wenn man nicht immer wieder nach der schuld fragt, egal ob es einzelne betrifft, bestimmte militärapparate, oder manche regierungen, dann würden manche verbrechen niemals geklärt.

die BRD sieht sich als rechtsnachfolger des deutschen reiches. damit steht der staat in der "rechts"-schuld. wäre also für taten von früher haftbar.

andere staaten hatten da mehr "glück", siehe frankreich.
oder wer fragt unsere britischen verbündeten nach den lagern in nordirland.

aber es geht am eigentlichen thema vorbei. da habt ihr recht.

man sollte den tag feiern und mal darüber nachdenken, was aus europa (und auch der welt) geworden wäre, wenn der kleine österreicher mit seiner clique und seinen helfershelfern in der welt als sieger hervorgegangen wäre.
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