10 Tage PACA: Die interessantesten Reiseziele

Die touristische Rubrik: Eure liebsten Städte und Landschaften in Frankreich

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10 Tage PACA: Die interessantesten Reiseziele

Beitragvon Avonlea » Sa, 11. Jun 2011 14:36

10 Tage PACA: Die interessantesten Reiseziele

Dann versuche ich mich mal an meinem liebsten Reiseziel, den Süden und dort die Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur. Weil man nicht allgemein sagen kann, welches die zehn schönsten Reiseziele sind - schließlich hat jeder andere Bedürfnisse - kann man unsere kleine fiktive Reise eher in verschiedene Touren einteilen. Wer lieber alternative Reiseziele ohne Touristen haben möchte, kann so genauso fündig werden wie Strandliebhaber. So können die Kategorien lauten: 10 Tage...

... auf den Spuren der Belle Époque
... für Leute, die Weitsicht lieben
... für Wanderfreunde
... für Strandbummler
... für Kunstliebhaber
... für Indies und Birkenstocklatschenträger
....

Ich würde gleich mal anfangen mit der Weitsicht-Tour, nachdem ich ein bisschen gesammelt habe. :wink:
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Beitragvon Avonlea » Sa, 11. Jun 2011 15:32

Die Weitsicht-Tour

Ich fange mal an mit einer meiner Lieblingsbeschäftigungen, dem Gucken. Ja, einfach dem Gucken in die Landschaft. Weitsicht. Sie lehrt mich Ehrfurcht vor der Landschaft, die sich für mich persönlich noch mehr dadurch verstärkt, dass ich absoluter Flachlandtiroler bin und schon bei so mancher Autobahnbrücke anfange vor Freude über die Weitsicht zu weinen. Die Weitsicht-Tour ist auch etwas für eher kleine Menschen mit einem großen Herzen für Schönheit, Melancholie, Freude und mit dem Tatendrang, die Welt durch das Erobern von Aussichtspunkten zu bezwingen.
In Südfrankreich, das Berge und Meer zugleich bietet, kann man sich keine besseren Bedingungen wünschen. Zehn Tage in die Landschaft gucken kann so aussehen:

Weltbezwinger, die eigentlich hätten als Vogel geboren werden sollen, reisen stilecht mit dem Flugzeug an und haben schon zwei Fotokarten ihrer Digitalkamera über den Alpen verknipst. Wer lieber mit dem eigenen Auto anreisen möchte, hat den Vorteil, in die Lanschaft, die man erobern möchte, hineinwachsen zu können indem man sich ihr langsam nähert. Langsames Reisen erhöht die Reisefreude! Eine sommerliche ein- oder zweitätige Autofahrt, vielleicht noch mit Kain und Abel im Miniformat auf der Rückbank, hat auch den wunderbaren Effekt eines abklingenden Schmerzes.

Von Nord nach Süd

Der Col de la Bonette markiert einen Punkt Europas, an dem Europas am uneuropäischsten ist. Das ist Grenzgebiet. Nicht nur zwischen den Départements Alpes-de-Haute-Provence und Alpes-Maritimes, zwischen Frankreich und Italien, sondern vom Gefühl her auch zwischen Erde und Mond. Leere Landschaft, mit Grün gesprenkelter grauer, mächtiger Fels. Straßen, die versuchen dem Nichts ein Stück Zivilisation abzutrotzen. Lebensadern, die in eine Welt jenseits unserer Vorstellungen liegt. Die Passstraße zur Cime de la Bonette ist bewusst als die höchste Europas angelegt worden. Auf etwa 2800 Metern Höhe öffnet sich dann die leere Landschaft und lässt einen windigen Blick in sich hinein zu. Wie mächtig die Erde sein muss, diese Berge hervorgebracht zu haben. Und wie klein der Mensch ist - traut sich zu, das Klima verändern zu können, aber Berge wird er nie machen können. Nie.

Bild
Quelle: www.weiteferne2.de (im Übrigen ein schöner Fotobericht einer Motorradreise durch die Alpen)

Gorge du Verdon, 2. Tag. Hier öffnet Europa seinen Schlund, verschlingt Grün und Fluss, lässt Besucher erschaudern und erstaunen. Ein Ort, den ich sehr gerne mal in echt sehen würde. Ich stelle mir vor, wie man vom Parkplatz aus über einen Trampelpfad zur Schlucht gelangt, von Zikaden in der Mittagshitze begleitet, während trockene Büsche einem die Waden zerkratzen und Eidechsen über den Weg huschen. Dann wird es merklich kühler, es riecht nach leichtem Sommerdunst - und dann hört man auf zu Atmen. Es zieht an der Rückseite der Oberschenkel und brennt sich dann weiter in den Bauch - die Aussicht. Wind bringt die Luft der Schlucht nach oben und der Mensch steht am Rande von etwas, das viel größer ist als er. Es liegt jenseits seiner Vorstellung, dass dieses Rinnsal da am Grunde einst so mächtig war, diesen Schlund geschaffen zu haben, als es vielleicht noch nicht einmal Dinosaurier gab. Und wie das alles die Geschichte der Arten überdauert hat. Ich muss dahin fahren und es mir ansehen.
Auch um den Preis, das mein Trampelpfad der Vorstellung in Wirklichkeit eine zweispurige Straße auf dem direktem Weg zur gesicherten Aussichtsplattform ist.

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Quelle: wikimedia.org

Am dritten Tag würde ich gerne mal aufs Meer schauen. Und ihr? Empfehlungen? Sehnsuchtsziele? :)
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Beitragvon Souris » Sa, 11. Jun 2011 16:34

:clap: Super, da ich auch eher ein kleiner Mensch bin, liebe ich auch Weitsicht, und nicht nur deshalb. Es ist einfach ergreifend und unbeschreiblich und darum überlasse ich es dir.
Ja, Meer klingt gut. Meer gehört für mich immer unbedingt zum Urlaub dazu, aber ich könnte auch nicht ohne diese wilde Landschaft der Garrigue... *kommt ins Schwärmen und geht nun Urlaubsfilme gucken...*
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Beitragvon Cristobal » Sa, 11. Jun 2011 17:55

@avonlea Wenn ich deinen Weg mit dem Finger auf der Landkarte folge so würde ich zwischen dem Bonette und der Verdonschlucht auch die Gorges de Daluis passieren

Eine imposante Schlucht, nicht ganz so viel Weitsicht aber der Fels er wechselt plötzlich ins Rot.

Bild

Vielleicht kann uns Edwin aus seiner wilden Zeit etwas von der Pont de la Mariée erzählen :roll:

Bin mal gespannt, wo du am 3. Tage das Meer erblickst.
Mit dem Finger auf der Landkarte entlang der Strecke und mit "Weitblick" würde ich sagen: wir finden uns auf der D141 zwischen La Ciotat und Cassis wieder oder gleich am Cap Canaille ? :wink:
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Beitragvon Avonlea » Sa, 11. Jun 2011 20:46

Cristobal hat geschrieben:Bin mal gespannt, wo du am 3. Tage das Meer erblickst.
Mit dem Finger auf der Landkarte entlang der Strecke und mit "Weitblick" würde ich sagen: wir finden uns auf der D141 zwischen La Ciotat und Cassis wieder oder gleich am Cap Canaille ? :wink:


Richtig. Aber weil ich dann die Daluis-Schlucht aufnehmen würde, die ich noch nicht kannte, wird es der vierte Tag.

Meer sehen von der Welt...

... kann man sicher an Frankreichs höchsten Klippen und den von ihr umschlossenen Buchten, den Calanques zwischen Marseille und Cassis. Was mir an Südfrankreich auch gefällt, sind die vielen verschiedenen Arten von Gestein. Man möge mir meinen Mangel an geologischem Fachwissen nachsehen, wenn ich sie falsch bezeichnen sollte: Rot in der Deluis-Schlucht und im Esterel, Quarz im Massif des Maures und Kalkstein in der Gegend von Marseille. Die Calanques könnte man auch in einer Wandertour in der Wanderkategorie besuchen.
Die Fjorde des Südens. Salziges Land ohne Erde.
Noch ein Sehnsuchtsziel, das ich noch nicht kenne. 14 Calanques gibt es, im Sommer sind sie über den Wanderweg wegen der erhöhten Brandgefahr nicht zugänglich.
Ich kann den klebrigen Meerwind schmecken. Nirgendwo muss das Gefühl vom Ende eines Kontinents größer sein als am Rande einer Klippe. Aber ist es wirklich das Ende des Meeres? Wo fängt es dann an, das Meer?

Bild
Quelle: www.marseille-tourisme.com

Tag fünf würde ich gerne einem Ort zwischen Meer und Bergen widmen, Tag sechs vielleicht einem ganz besonderen Balkon. :wink:
Wenn wir unsere zehn Ziele haben, mache ich auch noch eine Karte zur Übersicht.
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Beitragvon edwin » Sa, 11. Jun 2011 22:01

@ christo,
man muss wirklich aufpassen was man ins net schreibt... :shock:
da bekomme ich glatt einen nostalgischen anfall...
Bild

und ausserdem war es diese brücke
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eine der grössten dummheiten in meinem leben,aber nie bereut :mrgreen:
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Beitragvon Avonlea » So, 12. Jun 2011 15:35

Tag 5, Weitsicht zwischen Bergen und Meer...

... gibt es in Bormes-les-Mimosas, meinem seit drei Jahren Traumziel, das wie ein Nest am Massif des Maures hängt, nur wenige Kilometer vom Meer entfernt ist, ihm aber dennoch spürbar entrückt und vor allem erhaben ist. Das Dorf ist eine Besichtigung Wert, vor allem für Blumenfreunde :love:, bietet aber auch mehr als einen Aussichtspunkt, die sich allesamt gar nicht in schwindelerregender Höhe befinden,sondern mitten im Dorf oder vom Grand Hotel aus, das es sich über der Altstadt bequem macht und gar vom Meer aus deutlich zu erkennen ist. Was man sieht ist eine der geographisch interessantesten Ecken Südfrankreichs, man hat die drei großen Îles d'Or stets im Blick, die mal wie geheimnisvolle Eilande im Dunst des Nachmittags verschwinden, mal zum Greifen nah sind und abends oft von Schiffen in Form blinkender Lichter umkurvt werden. Man sieht die Erdkrümmung. Man hat einen Blick auf das ferne Toulon. Man hat die Nase im (Mimosen-)Wind. Das ist Bormes. Gute Aussichten.
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Tag 6: Urlaub auf Balkonien...

... stelle ich mir so vor: Von Nizza aus bricht man ins Hinterland entland des Var auf, nach Saint-Jeannet. Etwa 3600 Einwohner genießen dort eine fantastische Sicht auf das Land, den Var, das Hinterland der Küste und schließlich auf das Meer. Das wussten auch Grace Kelly und Cary Grant in ihren Filmrollen in Über den Dächern von Nizza zu schätzen. Das Haus, das man in dem Film sieht, steht in diesem Ort. Markenzeichen aber ist ein 800m hoher Kalkfelsen, der Baou de Saint-Jeannet. Den kann man hochkraxeln und wird noch eine fantastischere Sicht haben. Es gibt auch im Ort selber einen schönen Balkon, den ich gerne sehen würde. Mein einziges Foto befindet sich in einem zehn Jahre altem Merian-Heft, und das Internet schweigt ausnahmsweise...

Tag 7: Corniches

Drei der schönsten Küstenstraßen Frankreichs auf einmal hat der Abschnitt zwischen Nizza und Menton zu bieten. Entland des Wassers, ein Stück höher zwischen zahlreichen Villenorten und Bergnestern hindurch, und eine, die ganz oben auf dem Bergkamm entlang führt. Egal für welche man sich entscheidet, stets gibt es Aussichtsplattformen und Rastorte, die nötig sind, wenn einen wieder einmal ein Motorrad rechts überholt hat, zwei Zentimenter entfernt von einem Sicherheitszaun, der selber nur zehn Zentimeter hoch ist...
Weitblick hat man vom Col d'Èze oder vom Pass oberhalb von Villefranche-sur-Mer mit Blick auf die Rade, in der Fischerboote, Yachten und fast immer ein Kreuzfahrtschiff wie Steine im Wasser verteilt liegen. Unter einem das Cap Ferrat, kanpp hinter einer Böschung aus gelb blühendem Etwas. Jedes Dorf an den Corniches ist es wert, anzuhalten, bis zur höchsten Straße erklommen zu werden, um dann in die Welt zu gucken. Nicht selten bilden in Stadtmauern gemeißelte Fenster natürliche Bilderrahmen, wie in Èze. In La Turbie dann, wo sich stets Wolken aus den Felsen quetschen und es im Winter schneit, schaut man plötzlich ganz unvermittelt hinunter auf das Fürstentum Monaco, das von hier oben seltsam flach und weit weg wirkt. Es ist alles da, das Casino, der Palast, die Schiffe im Hafen, aber es ist alles still, eine stille Stadt und man schaut ihr zu, wie sie sich nicht bewegt. Ein Spielzeugland. Nie ist die Küste weiter entfernt, als wenn man in 400 Meter Höhe direkt über ihr steht.

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Beitragvon Napoleon » Mo, 13. Jun 2011 00:42

Ja das stimmt, alle drei Straßen haben etwas Besonderes. Meistens nehme ich aber die Grand Corniche, der "Einstieg" in diese Straße ist etwas abenteuerlich, wenn man im alten Hafen von Nizza in die "Häuserschluchten" eintaucht und nach einer Altstatt- Rundfahrt endlich die Straße rauf zum Col d'Eze gefunden hat. Kurz danach hat man einen sehr interessanten Ausblick und fühlt sich "Über den Dächern von Nizza", in der Ferne sieht man den Flughafen von Nizza und die scheinbar viel zu kurze Start- und Landebahn. Von hier oben soll man auch bei idealen Wetterverhältnissen bis nach Korsika sehen können, aber das ist mitr leider noch nie gelungen. Bevor man La Turbie erreicht, eröffnet sich im Frühjahr ein atemberaubendes Panoramabild auf die schneebedeckten Alpen. Und dann die Abfahrt Richtung Monaco, auf der die Fürstin Gracia Patricia um Leben kam.
Napoleon
meine Homepage wird mittelfristig erneuert.
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Beitragvon Avonlea » Di, 14. Jun 2011 15:05

Tag 8: Madone d'Utelle

Ein bisschen der Welt entrückt steht sie hier schon, die Kirche am Wallfahrtsort nicht weit vom Dorf Utelle im Hinterland von Nizza. Wer erwartet schon auf 1174 Metern ein orangenes Etwas, das auf den ersten Blick aussieht wie eine Scheune in Tibet? Die meisten Leute kommen auch nicht wegen der Wallfahrt, sondern wegen der herrlichen Aussicht, die im Norden tief in die Täler des Var, Tinée und Vésubie reicht und im Süden zum Cap d'Antibes und mit etwas Fantasie auch noch bis nach Korsika.
Fotos bei quaeldich.de

Tag 9: Les Baux-de-Provence

Auch wenn es von Touristen wimmelt und nur etwa 50 Leute da noch leben, auch wenn die Pizzen in den urig wirkenden Touristenrestaurants keksig sind - Les Baux ist schön, einen Besuch wert und schenkt einem tolle Aussichten. Dazu kraxelt man am besten in der alten Burgruine rum, bewundert die vorsteinzeitigen Muscheln im Fels und lässt sich dann auf dem großen Plateau unterhalb der Ruine den Provencewind um die Nase wehen, schaut in die Camargue und nach Montpellier im Westen, zu den Schloten von Fos-sur-Mer im Süden und im Osten nach Salon-de-Provence und zu den Weinbergen in der Einseimkeit.
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Quelle: www.provence-info.com

Tag 10: Lurs

Alpes-de-Haute-Provence, 621 Meter hoch, 380 Einwohner, Olivenbäume, Thymian, Lavendel. Das ist die Region des Luberon. Das Pilgerziel hier ist die Aussichtsterrasse, die neben ein paar Bäumen vor allem einen Blick in das Herz der Provence bietet, auf die Durance, den Mont Ventoux und Schachbretter von Ackerbau.
Bild
Quelle: http://a35.idata.over-blog.com/
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