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Avonlea

Anmeldedatum: 13.04.2008 Beiträge: 71 Wohnort: Niedersachsen
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Verfasst am: Sa, 10. Mai 2008 18:25
Titel: Paris in der Musik
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An Paris kommt keiner vorbei in Frankreich – dies ist der Eindruck, der mit Blick auf die Strukturen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik entsteht. Anders als in Deutschland ist die Hauptstadt auch das kulturelle Zentrum des Landes.
Wohl kaum eine andere Stadt in Europa oder gar in der Welt scheint so oft besungen zu sein wie Paris. Doch welches Bild entsteht von ihr durch die Musik? Welche Atmosphäre haben die Songs?
Ich würde gerne wissen, welche Bedeutung die Stadt in der Musik hat und auch, welche Bedeutung die Musik in der Stadt hat. Hören Pariser diese Lieder über sich selbst und ihre Stadt oder ist es Musik für Außenstehende? Wieso über Paris singen?
Schreibt doch hier rein, welche Lieder ihr kennt und wie ihr sie findet, auch hinsichtlich des Bildes, welches über Paris entsteht.
Die Gedanken, die ich mir schon dazu gemacht habe, folgen gleich.
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Avonlea

Anmeldedatum: 13.04.2008 Beiträge: 71 Wohnort: Niedersachsen
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Verfasst am: Sa, 10. Mai 2008 18:31
Titel:
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Einleitung
Ich habe verschiedene Sachen über Paris gelesen und wir haben das Thema auch ein halbes Jahr lang im Französischunterricht bearbeitet. Dabei gibt es im Groben zunächst zwei Bilder, ein positives und ein negatives.
Als positiv gewertet wird natürlich das Flair der Stadt, wie sie Touristen sehen. La Tour Eiffel, Notre Dame, die kleinen Cafés und die Prachtboulevards. In der Luft hängen Akkordeonklänge und fröhliches Geklampfe. Paris, die Stadt der Liebe.
Doch auch Paris ist eine Großstadt, mit Armut, Kriminalität und Hoffnungslosigkeit. Keine Stadt schenkt irgendjemandem etwas, wohl auch nicht Paris.
Dann stellt sich noch die Frage nach der Identifikation mit und der Identitätssuche in Paris, die auch eine Stadt der Zugezogenen ist, ein weites Spektrum an Einflüssen aufweist, die sich auf die Musik auswirken. Michel Tournier meint:
Pour aimer Paris, pour chanter Montmartre et Pigalle, il faut être américaine comme Joséphine Baker, italien comme Yves Montand ou danois comme Georges Ulmer. Mais quand on est né rue de la Victoire, dans le IXe arrondissement, quand on a appris à marcher dans le square Louis-XVI, sur les cendres des victimes de la Terreur, on ne chante pas, on vomit.
Il est cinq heures, Paris s'éveille...
...von Jacques Dutronc ist das vielleicht bekannteste Lied über die Stadt. Die Texter (Lanzmann/Segalen) zeichnen ein poetisches, aber dennoch in der Betrachtung recht neutrales Bild von Paris, wie es um fünf Uhr morgens ist, am Wendepunkt zwischen Nacht und Tag.
Les camions sont pleins de lait
Les balayeurs sont pleins de balais
(...)
Les travestis vont se raser
Les stripteaseuses sont rhabillées
(...)
Le café est dans les tasses
Les cafés nettoient leurs glaces
Et sur le boulevard Montparnasse
La gare n'est plus qu'une carcasse
Der Frieden des Morgens hält Einzug in die Stadt, noch sind die Bahnhöfe leer, während die Nachtmenschen langsam schlafen gehen.
Eine richtige Wertung erhält das Lied meines Erachtens erst durch die Musik, die beschwingt und recht typisch für Paris klingt, mit all den Instrumenten, die die Touristen mögen. So bekommt das Portrait Paris', welches gezeichnet wird, einen positiven und schwärmerischen Anstrich.
En schönes, leichtes Lied.
http://de.youtube.com/watch?v=X8QRhi1IAPI
Hassliebe...
...wird oftmals zwischen Musiker und Paris deutlich. So auch in dem Lied „Paris“ von Camille Dalmais.
Auch grauer Himmel, triste Morgenstunden und dreckige Fußgängerwege charakterisieren die Stadt.
Paris, tu paries, Paris, que je te quitte
que je change de cap, de capitale
Paris wird personifiziert wie ein Geliebter, den die Protagonistin verlässt:
je connais trop ta bouche, bouche de métro
c'est fini Paris, je les connais trop
ici je m'ennuie, même quand vient la nuit
Sie träumt vom Süden, von der „roten Stadt“ Toulouse und vom Nachtleben in Sevilla.
Der ewige Konflikt zwischen der Hauptstadt und der Provinz scheint zunächst zugunsten der Provinz entschieden zu sein, doch es kommt anders:
à Toulouse il a plu, à Séville j'ai trop bu
à Rio j'ai eu le mal du pays
oh pari perdu, je retourne vivre à Paris
Paris als Ort, dem sich keiner entziehen kann, trotz allem scheinbar Negativen.
http://www.paroles.net/chanson/34166.1
Sammelbecken für verschiedenste Kulturen
Muss man als Einwanderer seine Heimat nicht nur verlassen, sondern auch noch einen Teil seiner Identität vor den Toren Paris' abgeben, pour y monter et faire carrière?
Manau befinden sich auf der Suche nach ihren bretonischen Wurzeln in dem Lied „Fest-noz de Paname“. Ein gewisser Stolz auf die Geschichte der Einwanderer sticht heraus, der Eindruck entsteht, dass gerade diese Menschen, die alles riskiert haben für ein besseres Leben fern der Heimat, Paris geformt haben.
Il y a eu des basques, des auvergnats et puis des corses
Des gens de l'est ou l'ouest, du sud, du nord qui ont trouvé la force
De venir, de monter jusqu'à la capitale
Comme beaucoup de bretons venus chercher un idéal
Der Protagonist ist der Sohn einer Zugezogenen aus der Bretagne, der aber in Paris geboren ist.
Arrivée vers l'inconnu un peu perdue, elle est fatiguée
Faut dire que son voyage s'est fait debout en 2ème classe
Elle vient de poser son premier pied en gare de Montparnasse
Lässt sich so ein Bezug herstellen zu dem, was Michel Tournier gesagt hat? Sich entwurzelt und ohne Kultur fühlen? Es scheint eher das Gegenteil zu sein, wobei auch eine gewisse Melancholie deutlich zu werden scheint.
Fest-noz de Paname, de la Tour Eiffel à Notre Dame
Fest-noz pour ces dames sur le trottoir, le cœur en larmes
Les années sont passées comme le métropolitain
Et rien n'a changé à part les murs avec le papier peint
Mais certains vieux ont toujours des difficultés
Difficile de s'intégrer pour les piliers d'communautés
Avoir la terre natale qui coule dans les veines
Paris (=“Paname“) ist eine Unbekannte, die Hoffnung auf ein anderes Leben verspricht. Bereit, ein altes Leben aufzugeben und sich den Regeln der Großstadt zu unterwerfen, machen sich Leute auf richtung Paris. Es gibt Schwierigkeiten, sich zu integrieren, doch der Autor zeigt durchaus positve Seiten des Lebens in der Stadt jenseits der touristischen Attraktionen.
Es gibt die Möglichkeit, seine eigene Kultur aufrecht zu erhalten oder sie zu finden, wenn man zu der zweiten Generation gehört. So ist Paris eine Mischung aus Kulturen.
http://de.youtube.com/watch?v=wZqKu_DqyPk
Das harte Leben
Neben allen Möglichkeiten und Versprechen, die Paris bietet, gibt es auch die andere Seite des Glücks. In „Né dans les rues de Paris“ erzählt Pierpoljak die Geschichte eines Kriminellen, eines Jugendlichen, der in die harte Ausbildung der Stadt geht.
Wie eine unüberwindbare Mauer erscheinen die Schranken zwischen den Gesellschaftsschichten, zwischen arm und reich, zwischen Vorstadt und den schicken Vierteln.
Né dans les rues de Paris
A l'ombre de vos lumières
Pour moi jamais elles ne s'éclairent
Menschen wie er drohen in der Anonymität der Großstadt zu verschwinden. Obwohl Paris das ultimative Zentrum des Landes ist, Mittelpunkt aller Straßen, Schienennetze und sonstiger Wege, gilt diese Möglichkeit zur Mobilität nicht allen, besonders nicht denen, die kein Geld haben:
En guerre avec la reuteupeu
En guerre avec la seuneuceufeu
Né dans les rues de Paris
Désolé si j'ai grandi
So fallen diese Leute durch ein Raster, sie werden nicht automatisch in ein Wertesystem übernommen, wie man es gewohnt ist. Sich ohne wahre Identität durchzuschlagen ist in der Stadt besonders hart. Man hat nicht automatisch einen Namen, der für etwas steht, man ist unbekannt. Dies ist eine typische Seite der Großstadt, wie auch Paris eine ist. Sie ziehen Menschen an, die dann aber für sich alleine sind.
Désolé si j'ai grandi
A la dure comme on dit
Né dans les rues de Paris
http://lastfm.spiegel.de/music/Pierpoljak/_/N%C3%A9+dans+les+Rues+de+Paris?autostart
http://www.paroles.net/chanson/25789.1
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michelmau

Anmeldedatum: 03.12.2006 Beiträge: 593 Wohnort: Elsass
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Verfasst am: Mo, 12. Mai 2008 10:49
Titel:
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| Avonlea hat Folgendes geschrieben: | | An Paris kommt keiner vorbei in Frankreich – dies ist der Eindruck, der mit Blick auf die Strukturen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik entsteht. Anders als in Deutschland ist die Hauptstadt auch das kulturelle Zentrum des Landes. |
Ganz richtig,Avonlea!Wir Franzosen,leben in einem überzentralisierten Lande,dessen Hauptstadt zugleich die Rolle des Herzens und die des Gehirns im menschlichen Körper spielt,was von den übrigen Franzosen,ich meine den Nichtparisern oft als bedrückend empfunden werden kann. In den vergangenen Jahrhunderten mussten Künstler(Musiker,Dichter,Schriftsteller) und sogar Wissenschaftler ,die sich einen Namen machen wollten,in die Hauptstadt.Wir haben dafür einen Ausdruck,den ich persönlich sehr aufschlußreich und lustig finde:"On monte à Paris(wortwörtlich;man "steigt" nach Paris hinüber),als ob sich Paris ganz oben befände,und das restliche Frankreich ganz unten!
Zum Glück ändert sich das alles langsam und immer mehr Leute bekennen sich zu ihrer regionalen Erbschaft.
Die Chansons,die Du in Deinem Referat erwähnst(Montand,Ferré,Ulmer...) sind,meiner Ansicht nach,keine Chansons für Touristen und gehören einfach zu unserem Kulturerbe.(Ich habe persönlich eine Vorliebe fürs Lied;"Paris au mois d'aout",gesungen von Charles Aznavour),denn nur im Monat August kann man in Paris ruhig durch die Straßen bummeln,da die meisten Einwohner auf Sommerurlaub sind.)
Hier das Lied:
http://de.youtube.com/watch?v=G-OnheiuvDI
Es gibt aber auch eine Menge Chansons,die von der schweren historischen Vergangenheit der Stadt und ihren sozialen Kämpfen zeugen,wie zum Beispiel ,das Lied "La semaine sanglante/die blutige Woche",über die Repression gegen die Pariser Kommune(1871),oder "La Commune n'est pas morte/die Kommune ist nicht tot."
http://drapeaurouge.free.fr/semaine_sanglante.html
http://drapeaurouge.free.fr/pas_morte.html
Die beiden Chansonsarten ergänzen sich,find ich.
Hier eine Liste der Chansons über Paris in chronologischer Reihenfolge;
http://fr.wikipedia.org/wiki/Paris_en_chansons
Bemerkenswert ist das Zitat vom amerikanischen Komponisten George Gerschwin oben auf der Seite:
"Es gibt nur zwei mögliche Themen für Lieder;die Liebe und Paris."
 _________________ Le temps ne fait rien à l'affaire...(G.Brassens)
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Avonlea

Anmeldedatum: 13.04.2008 Beiträge: 71 Wohnort: Niedersachsen
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Verfasst am: Mi, 14. Mai 2008 15:57
Titel:
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| michelmau hat Folgendes geschrieben: |
"Es gibt nur zwei mögliche Themen für Lieder;die Liebe und Paris." |
Das finde ich ein sehr interessantes Zitat. Aber wieso ist das so? Es birgt schon etwas Wahrheit in sich, wie ich das so beobachten kann, wobei sicher ein Unterschied gemacht werden muss zwischen dem, was man in Deutschland und sonst außerhalb Frankreichs als Chanson bezeichnet und was es eigentlich heißt.
Wenn von französischen Chansons die Rede ist, dann denkt man an schöne, warme Musik über die Liebe oder halt Paris. Dem verwandt sein könnte eventuell das Genre der alten Schlager.
Eigentlich heißt Chanson doch aber auch einfach nur Lied. Une chanson rock, une chanson pop etc., und die haben meiner Ansicht nach wenig mit dem Chanson der Marke Dutronc oder Aznavour zu tun.
| Zitat: | | (Ich habe persönlich eine Vorliebe fürs Lied;"Paris au mois d'aout",gesungen von Charles Aznavour),denn nur im Monat August kann man in Paris ruhig durch die Straßen bummeln,da die meisten Einwohner auf Sommerurlaub sind.) |
Dass Paris im August ziemlich leer sein muss, daran hatte ich nicht gar nicht gedacht. Ist das wirklich so? Es wäre noch eine Seite von Paris, die diese Stadt von wahrscheinlich vielen anderen in Europa unterscheidet.
Ich habe noch ein Lied rausgesucht, das sehr gut zu "Il est cinq heures, Paris s'éveille" (Jacques Dutronc)passt, denn es ist das genaue Gegenteil davon.
"J'aime plus Paris" ist auch noch ausgerechnet von Thomas Dutronc, seinem Sohn.
Es kommt eine Sehnsucht zur Flucht aus der Stadt zum Ausdruck, nach dem Meer und nach Stille. Auch ist die Anonymität der Großstadt wieder Thema, genauso wie die Hektik der arbeitenden Menschen:
j'aime plus paris
on court partout ca m'ennuie
je vois trop de gens,
je me fous de leur vie
j'ai pas le temps,
je suis si bien dans mon lit
Natürlich gibt es allerhand Anspielungen auf "Paris s'éveille":
il est 5 hors, paris s'endort
ist die auffälligste Textzeile, doch auch das hier ist ein Gegensatz:
je vois trop de gens,
je me fous de leur vie
Denn während Jacques Dutronc von all den Menschen singt, die Paris zu einem Mosaik machen und ihr Leben morgens um fünf Uhr beleuchtet, geht es jetzt um Gleichgültigkeit dem gegenüber.
So wird insgesamt das Leben in Paris entromantisiert, wenn es das Wort gibt.
Es ist möglich, dass in dem Lied die Sichtweise der zweiten Generation der Einwanderer deutlich wird, auch in Hinblick darauf, dass hier der Sohn diesen Song geschrieben hat. Das ist aber nur so eine Hypothese...
Musikalisch ist es eher beschwingt, fast fröhlich mit dem schönen Rhythmus der Gitarren und somit angelehnt an "das Original".
Ich mag dieses Lied, sowohl vom Text her als auch von der Musik.
Text
Musik
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cri-zi

Anmeldedatum: 11.05.2008 Beiträge: 71 Wohnort: In der Ortenau
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Verfasst am: Mi, 14. Mai 2008 23:54
Titel:
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| Avonlea hat Folgendes geschrieben: |
Dass Paris im August ziemlich leer sein muss, daran hatte ich nicht gar nicht gedacht. Ist das wirklich so? Es wäre noch eine Seite von Paris, die diese Stadt von wahrscheinlich vielen anderen in Europa unterscheidet.
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Ja, das ist so, es ist unglaublich. Man findet sogar einen Parkplatz da, wo man möchte! Es stimmt, so etwas gibt es weder in London noch in Berlin, nicht mal im heißen Madrid oder Lissabon.
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michelmau

Anmeldedatum: 03.12.2006 Beiträge: 593 Wohnort: Elsass
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ladyinblack
Anmeldedatum: 14.03.2008 Beiträge: 22
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